der Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde

Dienstag, 17. Juli 2018

"Dies ist ein liberales Land" - Ein Besuch im Kleinmachnower Schwimmbad

Ihre Eindrücke schildert Marion Welsch:

Töpfe, Schneidebrett oder eine ganze Küche - Viele Spenden kommen an!!!

Nach wie vor ist die Hilfsbereitschaft groß. Immer wieder werden über den Verteiler der Flüchtlingsinitiativen in Kleinmachnow, Teltow und Zehlendorf Aufrufe versendet, für die Wohnungseinrichtungen zu spenden. Unter anderem kommen da in einem Fall eine Couch und 2  Sessel, einen kleinen Tisch, sehr viele, sehr gute, Handtücher, Seiflappen, Bettbezüge, Laken, ein wenig Geschirr und Besteck zusammen. Eine komplette Küche wurde ebenfalls gespendet. Für eine Einrichtung haben sich in kürzester Zeit ein Wasserkocher, Pfannen und eine Mikrowelle gefunden. An dieser Stelle ein Großes Dankeschön an alle Spender!




Antidiskriminierungsberatung kritisiert "Wohnungsführerschein"

In immer mehr Landkreisen wird der "Wohnungsführerschein" eingeführt. Der Flüchtlingsrat Brandenburg und die Antidiskriminierungsberatung Brandenburg stehen dieser Maßnahme der Landkreise, um Geflüchtete schneller in Wohnungen unterzubringen, kritisch gegenüber.

Diese Kritik hat die Antidiskriminierungsberatung Brandenburg auf der letzten Sitzung des Landesintegrationsbeirat am 24. Mai, die als Schwerpunkt das Thema "Wohnen" hatte, im großeren Kreis und vor politischen Vertreter*innen des Landes öffentlich gemacht.

Die letzte Ausgabe der "Nachrichten aus der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg" widmet sich nun in einem Artikel dem Wohnungsführerschein und unserer Kritik dazu. Den Artikel möchten wir Ihnen/Euch jetzt zur Verfügung stellen. (Siehe unten) 

Wir hoffen, Sie finden/Ihr findet diesen Text interessant und hilfreich. Sollten Sie/solltet Ihr Informationen zur Einführung des Wohnungsführerschein in anderen Landkreisen als in den im Artikel
genannten oder geflüchtete Menschen kennen, die sich von dieser Maßnahme stigmatisiert fühlen oder Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden, weil sie keinen Wohnungsführerschein haben, würden wir uns freuen, wenn Sie/Ihr uns diese Information zukommen lassen würden/würdet oder die Menschen an uns verweisen würden.

Vielen Dank!

Herzliche Grüße
Cristina Martín Asensio
Antidiskriminierungsberatung Brandenburg
Opferperspektive e.V.
Rudolf-Breitscheid-Straße 164
14482 Potsdam

Mobil +49 (0)17621872185
Telefon +49 (0)331 58107676
Telefax +49 (0)331 8170001

--

"Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt: Der „Wohnungsführerschein“
unter der Lupe der ADB

Der sogenannte Wohnungsführerschein wird momentan in immer mehr
Landkreisen als Lösung favorisiert, um die Unterbringung von
geflüchteten Menschen in Wohnungen schneller zu realisieren. Oberhavel
und Barnim erteilen ihn schon. In Teltow-Fläming und Ostprignitz-Ruppin
steht er noch in der Entwicklungsphase. Mit dem Wohnungsführerschein
sollen Menschen, die dieses freiwillige Angebot des Landkreises in
Anspruch nehmen, auf das Leben in einer eigenen Wohnung
„vorbereitet“ werden. Nach der Teilnahme an öffentlich finanzierten Veranstaltungen,
in denen sie u.a. lernen, richtig zu lüften, zu heizen, Müll zu
trennen oder kein Feuer in der Wohnung zu entzünden, bekommen sie als
Teilnahmezeugnis den Wohnungsführerschein.

Die Antidiskriminierungsberatung Brandenburg (ADB) kritisiert den
Wohnungsführerschein, weil er Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt
Vorschub leistet. Zwar ist die Informationsvermittlung zum Thema Wohnen
sinnvoll. Problematisch wird es, wenn – wie derzeit im Fall des
Wohnungsführerscheins – direkt oder indirekt nur Geflüchteten und
ALG-II-Bezieher_innen zugeschrieben wird, diese Informationen zu
brauchen, um eine Mietwohnung zu finden. Diese Unterstellung ist
diskriminierend. Damit wird der Zugang zum Wohnungsmarkt zu Lasten
dieser Menschen reguliert. Darüber hinaus wird der
Wohnungsführerschein höchst gefährlich, wenn Vermieter_innen von Geflüchteten den Schein
für die Vermietung verlangen oder inoffiziell als entscheidenden Faktor
dafür nehmen. Im ersten Fall würden Vermieter_innen gegen das
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, das mittelbare rassistische
Diskriminierung verbietet. Im zweiten Fall wäre die gesetzwidrige
Diskriminierung schwieriger aufzudecken. Der Wohnungsführerschein kann
damit für viele geflüchtete Menschen, die aus welchem Grund auch
immer, nicht an diesen Veranstaltungen teilnehmen, eine neue Barriere auf dem
Wohnungsmarkt stellen. Im Gespräch erklären einige Organisator_innen,
dass der Wohnungsführerschein ein Entgegenkommen auf rassistische
Vermieter_innen und Altnachbar_innen von Seite des Landkreises
signalisieren solle. Die Anerkennung von Rassismus als Teil des
Problems, ist sehr zu begrüßen. Aber in einer angespannten
Wohnungsmarktsituation, in der viele Unterstützer_innen von
Geflüchteten und Migrationsberatungsstellen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt
bewusst nicht thematisieren, um sich die Chancen nicht zu verbauen,
irgendeine Wohnung für einen Geflüchteten zu bekommen, sendet der
Landkreis mit dem Wohnungsführerschein das falsche Signal. Denn damit
werden die Menschen in ihren Vorurteilen gegen Geflüchtete bestätigt
und den Betroffenen vermittelt nicht erwünscht zu sein. Der Begriff
Wohnungsführerschein stellt zudem eine Analogie zum Autoführerschein
her, der suggeriert, dass der Zugang zum Wohnungsmarkt bei einigen
Bevölkerungsgruppen von einer staatlichen Institution geprüft und
erteilt wird. Das führt zu einer zusätzlichen Stigmatisierung von
Geflüchteten. Von Freiwilligkeit der Angebote kann zusätzlich
auch nicht mehr die Rede sein, wenn Landkreisverantwortliche öffentlich
erklären, dass damit Geflüchtete eher eine Wohnung erhalten sollen.

Der Wohnungsführerschein mag insoweit eine gut gemeinte Maßnahme sein,
um geflüchtete Menschen in Wohnungen unterzubringen. Dennoch werden mit
ihm Grund- und Menschenrechtsverletzungen in Kaufgenommen und Stereotype
bekräftigt. Die Landkreise sollten von dieser Maßnahme absehen und den
Fokus darauf legen, Druck auf mit rassistischen Vorurteilen behafte-
ten Vermieter_innen auszuüben und die Gesellschaft gegen Rassismus zu
sensibilisieren. Diese Position hat die ADB auch am 24. Mai vor dem
Landesintegrationsbeirat vertreten."
--