Der
Runde Tisch Asyl und Migration PM beklagt in einem Offenen Brief diverse Missstände in der
Ausländerbehörde des Landkreises mit Sitz in Werder/Havel. Laut Bericht in den Potsdamer Neuesten Nachrichten haben den Brief unter anderem Siegfried-Thomas Wisch, der Superintendent des evangelischen
Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg, die Koordinatorin der
Flüchtlingshilfe der Gemeinden Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf, Marion
Höhne sowie die Vorsitzende des Integrationsbeirats Potsdam-Mittelmark,
Mónica Vásquez Parra unterschrieben.
https://www.pnn.de/potsdam-mittelmark/offener-brief-von-fluechtlingshelfern-missstaende-in-der-auslaenderbehoerde/25056460.html
Der Brief im Wortlaut:
https://www.pnn.de/potsdam-mittelmark/offener-brief-von-fluechtlingshelfern-missstaende-in-der-auslaenderbehoerde/25056460.html
Der Brief im Wortlaut:
Im
Juli ist der Runde Tisch erstmals zusammengekommen: ein Bündnis aus insgesamt
rund vierzig VertreterInnen der Zivilgesellschaft, die beruflich oder ehrenamtlich
mit Geflüchteten zu tun haben. Zunehmende Irritation über Entscheidungen der
Ausländerbehörde, insbesondere im Falle von Beschäftigungs- und
Ausbildungserlaubnissen, hat diese Menschen zusammengebracht: Seit mehreren
Monaten beobachten sie, wie AntragstellerInnen die Aufnahme einer Arbeit
verweigert wird – entweder ganz ohne oder mit rechtlich frag-würdiger Begründung.
In der Folge verlieren Menschen, die teilweise schon seit zwei Jahren ihren
Lebensunterhalt eigenständig bestreiten, ihre Arbeit und fallen zurück in den
Leistungsbezug durch Jobcenter oder Arbeitsagentur. Sie werden in die
Tatenlosigkeit gezwungen, deren negative Auswirkungen bis hin zu Depressionen
man kaum näher erläutern muss. Und auch die ArbeitergeberInnen sehen sich durch
diese Praxis geschädigt: erprobte ArbeitnehmerInnen fallen plötzlich aus, und
in Praktika angeworbene Auszubildende können ihre Ausbildung wider Erwarten und
allen Bemühungen zum Trotz nicht antreten.
So
haben sich auch betroffene ArbeitgeberInnen dem Runden Tisch angeschlossen.
Im
August hat dieses Netzwerk den Offenen Brief verfasst und bis vergangenen Montag
Unterschriften gesammelt. Mehr als mehr als einhundert Unterschriften kamen
hierbei zusammen.
Wir
erwarten von den Verantwortlichen in der Kreispolitik, dass sie die Behörde personell,
finanziell und organisatorisch so ausstattet, dass qualitativ hochwertige Dienstleistung
im Sinne gelingender Integration möglich ist.
Wir
sind interessiert an Gesprächen mit Verantwortlichen in Politik und Verwaltung.
Wir
setzen einige Hoffnung in die neue Leiterin der Behörde. Zwar kann sie sicherlich
nicht von heute auf morgen alles umkehren und aufholen, was durch viele Jahre
stiefmütterlicher Behandlung durch die Kreispolitik verursacht wurde.
Auch
den Teilnehmenden am Runden Tisch ist klar, dass die Arbeit in einer Ausländerbehörde
ausgesprochen anspruchsvoll ist: Rechtlich komplexe Zusammenhänge müssen
AntragstellerInnen verständlich gemacht werden, die des Deutschen oft (noch)
nicht mächtig genug sind und die ganze Situation
zudem
gemäß ihrer eigenen Kulturmuster zu lösen versuchen. Kulturmuster, die die
deutsche Seite wiederum nicht ohne weiteres versteht. Diese Schwierigkeiten
sind den MitstreiterInnen des Runden Tisches aus eigener Erfahrung mit Geflüchteten
nur allzu bekannt.
Deshalb
erwarten wir, dass das Personal für die Arbeit in der Ausländerbehörde einschlägig
geschult und kontinuierlich angemessen unterstützt wird, um dieser Herausforderung
gerecht zu werden und den AntragstellerInnen durch Rechtssicherheit und
Beratung die Integration zu ermöglichen.
Die
oberste Leitung des Landkreises und das Innenministerium mögen ihre Dienstaufsicht
in diesem Sinne ausüben!